1971 als zentrales DV-Unternehmen für den Mannesmann-Konzern gegründet, zog das Rechenzentrum der "Mannesmann Datenverarbeitung GmbH" Anfang 1973 vom Thyssen-Hochhaus in Düsseldorf in einen Neubau nach Lintorf zur Rehhecke um. Mit einem Geschäftsführer, der sich noch mit Leib und Seele für "seine" MDV und "seine" Mitarbeiter einsetzte - Herr Dr. Werner Brack - mauserte sich das Unternehmen und festigte durch eine besonnene Politik und kontinuierliche und solide Arbeit seine Position im Konzern über viele Jahre.
Seit Gründung der MDV existierte auch ein Betriebsrat, der mit Engagement die nicht immer einfachen Arbeitsbedingungen positiv mitgestaltete.
Kurz vor und nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone wurde es mehr als "stürmisch". Unter dem Geschäftsführer Wolfgang Sturm erfolgte nicht nur ein ungesund starkes Belegschaftswachstum, auch die hochtrabenden Visionen vom großen E-Commerce-Geschäft erwiesen sich als Flop. Ein gutes Jahr nach Gründung eines eigenen "Mobile-Solutions"-Bereichs wurde dieser wieder geschlossen - ca. 70 MitarbeiterInnen mussten gehen.
In den Folgejahren wurde das einst gut aufgestellte "Systemhaus" nach und nach zerstückelt. Zwischen 2002 und Anfang 2005 wurden das Printcenter, das SAP-Competence-Center, die Abteilungen um Eigenentwicklungen wie Mafis und Billit, und die Softwareentwicklungsbereiche durch Betriebsübergang verkauft oder anderweitig ausgegliedert. Außerdem gingen 2003 ca. 100 Beschäftigte in eine Transfergesellschaft.
Was übrig blieb, war das Herz des Unternehmens, das Data
Center. Dieses wurde in den letzten Jahren zum modernsten Rechenzentrum
in Europa mit insgesamt ca. 10.000 Quadratmetern RZ-Flächen und einer
Speicherkapazität von
ca. 1,5 Petabyte (=1.500 Terabyte =1,5 Mio. Gigabyte)
ausgebaut. Die Einführung eines Service Management Konzepts nach dem
ITIL-Modell und eine signifikante Erweiterung der Infrastruktur (Neubau
eines zweiten Rechenzentrums, ein
neues Zentrum für Kälte und Klimatechnik, Neubau und
Erweiterung einer Notstromversorgung) trugen dazu bei, dass das Data
Center in Ratingen gegenüber den übrigen RZ-Standorten des Konzerns
Bestnoten erhielt und die
Arbeitsplätze der verbliebenen MitarbeiterInnen gesichert
wurden. Gut 460 Beschäftigte hatte die Vodafone Information Systems
zuletzt, die sich mit Beschaffung und Betrieb der Server, der
Applikationsbetreuung und dem
IS-Management beschäftigen.
Anfang diesen Jahres entschied dann die Vodafone-Mutter in Düsseldorf, die Vodafone Information Systems GmbH auf die Vodafone Group Services GmbH (Düsseldorf) zu verschmelzen und die MitarbeiterInnen per Betriebsübergang in diese Firma zu übernehmen. Die Arbeitsplätze in Lintorf und die bisherigen Aufgaben bleiben erhalten. Synergieeffekte befürchtet der Betriebsrat aufgrund der Verschmelzung nicht, da es so gut wie keine überschneidenden Aufgabengebiete gibt. Vielmehr hofft der BR, dass durch die Einbettung in ein größeres Unternehmen (ca. 1500 MitarbeiterInnen) die Gefahr eines Outsourcings geringer wird.
In einer Überleitungsvereinbarung wurde zwischen den betroffenen Unternehmen und den Betriebsräten vereinbart, dass der Standort Ratingen als eigenständiger Betrieb innerhalb des Unternehmens Vodafone Group Services weitergeführt wird, somit der BR im Amt bleibt und die Betriebsvereinbarungen der ehemaligen VIS am Standort Ratingen weitergelten. Da der Betrieb eines Data Centers in einigen Punkten doch andere Probleme (Schichtdienst, Rufbereitschaft, hohe Datenschutzproblematik, usw.) hat, als ein eher administrativ geprägter Bereich, ist dies auch sinnvoll.
Bleibt zu hoffen, dass die Löschung im Handelsregister das bleibt, nach dem es im Moment noch aussieht: eine Formalie ohne gravierende Konsequenzen auf die ArbeitnehmerInnen und ihre Arbeitsplätze.